Womit ernähren wir uns?


Womit ernähren wir uns? Eine einfache Frage, die Diskussionen über komplexe Fragen zu Produktion und Verteilung, Zugang zu Land, Kontrolle des Wassers, Preise, Gesundheit und Sicherheit, Arbeitsmigranten und vielem mehr ermöglicht.

Für Millionen von Menschen ist die Antwort ganz einfach: nicht genug, um zu überleben. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) schätzt, dass täglich 300 Milllionen Kinder hungrig zu Bett gehen, und dass täglich mehr als 8000 Kinder unter fünf Jahren aufgrund von Unterernährung sterben. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schätzt, dass 12% der Weltbevölkerung chronisch unterernährt ist.

Wie kann das in einer Welt möglich sein, in der ein enormer Nahrungsmittelüberschuss besteht; in der Landwirten dafür bezahlt werden, keine Nahrungsmittel anzubauen?

Eine kurze Antwort darauf ist, dass die Lebensmittelproduktion und -verteilung von dem Bedürfnis, Gewinne zu erzeugen getrieben sind, statt von dem menschlichen Bedürfnis nach Nahrung. Das internationale System von Lebensmittelproduktionen und Verkäufe, die von Konzernen dominiert werden, das fälschlicherweise als der "Markt" bezeichnet wird, existiert, um die Gewinne von Konzernen zu steigern. Alles andere ist dessen Konsequenz. Der "Markt" antwortet auf die "Nachfrage" (wobei diese "Nachfrage" oft künstlich von Werbekampagnen erstelllt wird). Wenn Menschen hungrig sind, weil sie kein Geld haben, um Nahrungsmittel zu kaufen, dann schaffen sie keine "Nachfrage" für Nahrungsmittel. Weder produziert der "Markt" Nahrungsmittel für sie, noch stellt er diese anderweitig für sie bereit.

Das ist keine neue Entwicklung. Während der Großen Hungersnot in Irland in den 1840er Jahren, als eine Million Menschen an Hunger starben, exportierten wohlhabende Landbesitzer Nahrungsmittel aus Irland. Warum? Weil ausländische Käufer die Mittel hatten, sie zu bezahlen, während die irischen Dorfbewohner kein Geld hatten, um die Nahrungsmittel zu kaufen. Die Hungersnot in Äthiopien in den 1980er Jahren war eine ähnliche Geschichte: das Land produzierte genügend Getreide, um alle zu ernähren, und dennoch wurden im Höhepunkt der Hungersnot Nahrungsmittel exportiert.

In den letzten paar Jahrzehnten führte die zunehmende Korporatisierung des Lebensmittelsystems zu enormen Veränderungen.

In Nordamerika sind traditionelle Familienbauernhöfe eine bedrohte Spezies. Große industrielle Farmen erweitern sich, während kleinere Farmen an die großen Betriebe verkaufen, oder wenn sie sich in der Nähe von Städten befinden, an Immobilienspekulanten und Bauarbeitern. Ob groß oder klein - nahezu alle Landwirten sind hoch verschuldet und gefangen in einem Hamsterrad, in dem sie ständig anhand des Einkommens des nächsten Jahres Saatgut, Dünger und Pestiziden für dieses Jahr finanzeren, die allesamt von der Agrarindustrie kontrolliert und verkauft werden.

In Afrika wird Land, das von örtlichen Landwirten seit zahlreichen Generationen bewirtschaftet wird, von ausländischen Riesen-Betrieben übernommen - viele von ihnen chinesisch. In Indien drängen internationale agrochemische Monopole zu gentechnisch veränderten Organismen (engl.: GMO) und neuen Pflanzensorten. Diese führten zu einer Reihe von ländlichen Katastrophen, deren Konsequenzen unter anderem die vielen ensetzlichen Selbstmorde von Landwirten waren.

Eine weitere Sorge für jeden, der Nahrungsmittel konsumiert - also für jeden - ist die Sicherheit von den Nahrungsmitteln, die wir konsumieren. Wir sind alle Versuchskaninchen in einem riesigen, unvergleichlichen und unkonrolliertem Experiment über die menschliche Gesundheit und dem Ökosystem der Erde. Was geschieht, wenn unsere Körper, unsere Seen und Flüsse, unser Erdboden und unsere Luft von einer ständig steigenden Brühe aus Chemikalien, Antibiotika und genetisch veränderten Lebenswesen durchtränkt sind?

Wenn in all dem etwas Positives steckt, dann ist es die Tatsache, dass so viele Menschen zusammenkommen, um auf verschiedene Arten - groß oder klein - Widerstand zu leisten. Geschichten und Quellen sind auf der Connexions Webseite zu finden. www.connexions.org

Originaltext in englischer Sprache. Übersetzung von Hamna Takhmir.